Prof. Dr. med. Igor Wolfgang Blau, Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin
Mit der sprunghaften Erweiterung der Therapiemöglichkeiten beim multiplen Myelom (MM) in den letzten Jahren schien sich eine Gleichrangigkeit der verschiedenen Behandlungen etabliert zu haben. Die Industrie setzte auf einen Wettlauf um Marktanteile und begründete die Vorteile der jeweiligen Therapie mit dem längsten progressionsfreien Überleben (PFS), der niedrigsten Hazard Ratio (HR), der geringsten minimalen residuellen Resterkrankung (MRD), der besten Verträglichkeit oder der förderlichsten Applikationsform. Langsam ändert sich die Wahrnehmung der Therapeutika bei uns Ärzten und unsere Suche nach einer Differenzialtherapie, also nach dem Medikament oder der Medikamentenkombination, die für den jeweiligen Patienten individuell die beste ist, beginnt Erfolge zu zeigen. Von den (nach Angaben des Veranstalters) 30.000 Teilnehmern an der diesjährigen Tagung der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) interessierten sich jedenfalls Tausende von Ärzten für die Fragen nach der richtigen Primärtherapie, der Bedeutung von hochdosiertem Melphalan, einer Konsolidierungstherapie, der Erhaltungstherapie und den darauf folgenden Therapiesequenzen bei der Behandlung des unheilbaren multiplen Myeloms. In zahlreichen Satellitensymposien, Educationals, wissenschaftlichen Symposien mit verschiedenen Vorträgen und bei der Diskussion der fast 500 Poster (von 4.800) informierten sie sich ausgiebig zu diesem Themenkomplex. Mit welchen Medikamentenkombinationen lassen sich bei welchen Patienten die besten Behandlungsergebnisse für diese nach wie vor unheilbare Tumorerkrankung erreichen? Im Folgenden soll versucht werden, Antworten auf diese Frage anhand des Kongressmaterials zu geben.
Die Antikörper gehören dazu
Das Update der ALCYONE-Studie [1] (Daratumumab+Bortezomib+Melphalan+Prednison [D-VMP] vs. Bortezomib+Melphalan+Prednison [VMP]) und die erste Vorstellung der Ergebnisse der MAIA-Studie [2] (Daratumumab+Lenalidomid+Dexamethason [D-Rd] vs. Lenalidomid+Dexamethason [Rd]) demonstrieren in höherem Maße als erwartet den Vorteil der Hinzunahme eines monoklonalen Antikörpers (hier Daratumumab, blockiert den CD38-Rezeptor) zur Behandlung von Patienten, die primär wegen eines MM behandelt werden und nicht für eine Hochdosis(HD)-Melphalan-Therapie infrage kommen. Das mediane PFS wird in beiden Studien im Daratumumab-Arm jeweils nicht erreicht. Die Studienergebnisse (Abb. 1 und 2) geben allerdings Anlass zur Hoffnung, dass unter einer monatlichen Dauergabe des Antikörpers eine bedeutende Gruppe der Patienten langfristig nicht rezidivieren wird.
Die Daten der ALCYONE-Studie (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 und EMN-Meeting 2018 auf hematooncology.com) belegten diese Ergebnisse ebenso eindrucksvoll. Nach einer medianen Follow-up-Zeit von 27,8 Monaten war das mediane PFS für D-VMP noch nicht erreicht und lag für VMP bei 19,1 Monaten (HR = 0,43; 95-%-KI: 0,35─0,54; p < 0,0001) (Abb. 1). Alle vorgegebenen Subgruppen zeigten einen PFS-Vorteil bei der Therapie mit D-VMP.
Abb. 1: ALCYONE-Studie: signifikant verbessertes PFS unter Therapie mit D-VMP im Vergleich zum VMP-Arm (modifiziert nach
[1])
In der MAIA-Studie (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 auf hematooncology.com) zeigte sich durch die Hinzunahme von Daratumumab auch eine Verbesserung der Tiefe des Ansprechens mit einer kompletten Remission (CR) von 47,6% im D-Rd-Arm im Vergleich zu 24,7% im Rd-Arm (Odds Ratio [OR] = 2,75; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 2,01─3,76; p < 0,0001). Diese Tendenz spiegelt sich auch in der sehr guten partiellen Remission (VGPR) von 79,3% im D-Rd-Arm im Vergleich zu 53,1% im Rd-Arm (OR = 3,4; 95-%-KI: 2,45─4,72; p < 0,0001) wider. Für das PFS ergab sich ebenfalls ein signifikanter Vorteil im D-Rd-Arm (medianes PFS: noch nicht erreicht [NE] vs. 31,9 Monate; HR = 0,56; 95-%-KI: 0,43─0,73; p < 0,0001) (Abb. 2).
Abb. 2: MAIA-Studie: Unter einer Therapie mit D-Rd zeigt sich eine signifikant verbessertes PFS im Vergleich zum Rd-Arm (modifiziert nach
[2]).
In die Zukunft der MM-Therapie weisen die ersten Daten der in den Samstagssymposien vorgestellten Studien. Vorhees et al. [3] demonstrierten ein 100%iges Ansprechen bei den ersten 16 Patienten, die Daratumumab+Bortezomib+Lenalidomid+Dexamethason (D-VRd) behandelt wurden. Außerdem erwies sich D-VRd hinsichtlich der Sicherheit als unbedenklich. Am Ende der Konsolidierungstherapie erreichten alle Patienten eine VGPR oder besser. 63% der Patienten erreichten eine CR.
Yimer et al. zeigten in einer Phase-II-Studie an 100 Patienten [4], von denen die meisten eine autologe Stammzelltransplantation (autologous Stem Cell transplantation; ASCT) erhalten hatten, die exzellente Wirksamkeit von Daratumumab+Cyclophosphamid+Bortezomib+Dexamethason (D-CyBord). Wenn die Patienten nicht transplantiert wurden und somit keine HD-Therapie mit Melphalan bekommen konnten, entsprach das Gesamtansprechen dem der ALCYONE-Studie und damit auch den Erwartungen. Auch die vorläufigen Daten zum PFS und OS bei Patienten mit neu diagnostiziertem MM sind vergleichbar mit D-VMP.
Elotuzumab
Elotuzumab, ein gegen CD319/SLAMF7 gerichteter Antikörper, wird in den deutschen Studiengruppen (z. B. DSMM XVII der Würzburger Gruppe [EudraCT Nr.: 2017-001616-11] und GMMG HD6 der Heidelberger Gruppe [NCT02495922 ]) in der Erstlinientherapie bei transplantationsfähigen Patienten getestet. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Irene Ghobrial präsentierte Daten einer Phase-II-Studie, in der Elotuzumab, kombiniert mit Lenalidomid und Dexamethason, beim smoldering MM eingesetzt wurde [5]. Bisher wurde keine Progression bei den Studienteilnehmern beobachtet. Die Gesamtansprechrate (ORR) konnte bisher mit 84% (41/49 Patienten) angegeben werden. Es konnten 3 Komplettremissionen (CR, 6%), 18 sehr gute Teilremissionen (VGPR, 37%), 20 Teilremissionen (PR, 41%), 5 minimale Remissionen (MR, 10%), 3 stabile Erkrankungen (SD, 6%) und 2 nicht beurteilbare Patienten beobachtet werden. Abgesehen von 3 Studienteilnehmern haben alle die Behandlung abgeschlossen und befinden sich im Follow-up.
Fazit
- Durch die Hinzugabe von Daratumumab zu Lenalidomid und Dexamethason in der Primärtherapie bei nicht transplantablen Myelompatienten wird nach knapp 4 Jahren eine Rezidivfreiheit bei circa 70% der Patienten erreicht.
- Eine nebenwirkungsarme Elotuzumab-basierte Therapie des smoldering MM ist ein interessanter Ansatz und lässt für die Zukunft weitere Schritte in Richtung früher Therapien erwarten.
„Zum ersten Mal erhalten auch nicht transplantable Patienten – ähnlich wie die transplantierten Patienten – eine Chance, über Jahre hinweg rezidivfrei zu bleiben.“ Prof. Dr. Igor Wolfgang Blau
Proteasominhibition als fester Bestandteil der Primärtherapie
FORTE-Studie
Die von Francesca Gay aus Turin vorgestellten neuen Ergebnisse aus der FORTE-Studie [6] (Carfilzomib+Lenalidomid+Dexamethason [KRd]-Induktion – ASCT – KRd-Konsolidierung vs. 12 Zyklen KRd [KRd12] vs. Carfilzomib+Cyclophosphamid+Dexamethason [KCd]-Induktion – ASCT – KCd-Konsolidierung in der Primärtherapie) zeigen erneut keinen Unterschied der beiden Rd-Therapiearme hinsichtlich des Ansprechens bei den Patienten, die transplantiert wurden (KRd-ASCT-KRd, 89%), und jenen, die nicht transplantiert wurden (KRd12, 87%) (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 und ASCO-Kongress 2018 auf hematooncology.com). Auch in der ITT-Auswertung war die MRD-Negativität (fehlende MRD [31/395 VGPR Patienten, 8%] und schlechter als VGPR wurden als MRD-positiv angenommen) zwischen den transplantierten (KRd-ASCT-KRd, 58%) und den nicht transplantierten Patienten (KRd12, 54%) ähnlich, jedoch signifikant höher als bei den im KCd-ASCT-KCd-Arm behandelten Patienten (41%; p-Wert KRd-ASCT-KRd vs. KCd-ASCT-KCd = 0,004; p-Wert KRd12 vs. KCd-ASCT-KCd = 0,023).
Vij et al. [7] untersuchten in einer groß angelegten multizentrischen Phase-II-Studie die Hinzunahme von Ixazomib zu Lenalidomid und Dexamethason (IRd) in der Primärtherapie nach einer HD-Melphalan-Therapie (hier 4 Zyklen IRd [Ixazomib 4 mg an den Tagen 1, 8 und 15 in einem 28-Tage-Zyklus, Lenalidomid 15 mg an den Tagen 1 bis 21 und Dexamethason 40 mg an den Tagen 1, 8 und 15]) zur Konsolidierung nach einer ASCT. Dabei konnte der Anteil der Patienten mit nicht nachweisbarer minimaler residueller Resterkrankung (MRD) auf 37% erhöht werden (von zuvor 26%).
“Neben Bortezomib spielen Carfilzomib und Ixazomib in der First-Line-Therapie eine zunehmende Rolle und können Bestandteil einer effektiven Primärtherapie werden.“ Prof. Dr. Igor Wolfgang Blau
Tourmaline-MM3-Studie
Mit Spannung wurden die Ergebnisse der Tourmaline-MM3-Studie erwartet [8]. Diese zeigten einen PFS-Vorteil für die Patienten, die eine 2-jährige Ixazomib-Erhaltungstherapie bekommen haben (medianes PFS: 26,5 Monate [Ixazomib] vs. 21,3 Monate [Placebo]; HR = 0,72; 95-%-KI: 0,58─0,89; p < 0,002) (Abb. 3).
Abb. 3: Tourmaline-MM3-Studie: Eine Therapie mit Ixazomib verbessert signifikant das PFS (modifiziert nach
[8]).
Ohne die Erwähnung der Hochdosis-Melphalan-Therapie wären die Ausführungen zur Primärtherapie des MM heutzutage unvollständig.
Michele Cavo et al. [9] fassten südeuropäische und deutsche Daten zur Therapie mit Bortezomib+Thalidomid+Dexamethason (VTd) oder Bortezomib+Doxorubicin+Dexamethason (PAd) als Induktionstherapie vor einer ASCT bei Patienten mit neu diagnostiziertem MM zusammen (NCT01134484 [10], PETHEMA/GEM-Studie [11], Hovon-65/GMMG-HD4 [12]). In dieser Metaanalyse mit mehr als 900 Patienten, die mit einer Bortezomib-basierten Induktionstherapie und anschließend mit einer HD-Chemotherapie mit Melphalan vor einer einfachen (ASCT-1) oder einer zweifachen autologen Stammzelltransplantation (ASCT-2) behandelt wurden, zeigte sich ein unerwartet deutlicher Vorteil für die Doppeltransplantation. Für die ASCT-2 ergab sich ein besseres PFS (medianes PFS: 46,6 Monate vs. 37,7 Monate; HR = 0,76; 95-%-KI: 0,65─0,89; p = 0,001) und OS (geschätzte 10-Jahreswahrscheinlichkeit: 55% vs. 42%; HR = 0,69, 95-%-KI: 0,56─0,84; p < 0,001) im Vergleich zur ASCT-1 (Abb. 4).
Abb. 4: Überlebensdaten (PFS und OS) für VDT vs. PAD+ASCT bei neu diagnostiziertem MM (modifiziert nach
[9])
Fazit
- Die Induktionstherapie ist Proteasominhibitor-basiert und enthält zudem Medikamente anderer Wirkspektren – in den USA zum Beispiel grundsätzlich immunmodulierende Substanzen (IMiDs) und in Europa alkylierende Zytostatika (für nicht transplantable Patienten Melphalan, ansonsten meist Cyclophosphamid). Monoklonale Antikörper rücken schnell in die erste Linie vor.
- Die Kombination aus Daratumumab+Lenalidomid+Dexamethason gibt den Ärzten die Möglichkeit, nicht transplantable Patienten ähnlich erfolgreich zu behandeln wie diejenigen, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit Melphalan erhalten.
- Die HD-Melphalan-Therapie, gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation, ist ein fester Bestandteil der Primärtherapie des MM und wird von den Experten weltweit ohne Altersgrenze empfohlen. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Doppeltransplantation (2 Transplantationen im Abstand von 3 bis 6 Monaten) den Therapieergebnissen mit der einfachen Transplantation überlegen ist – und zwar unabhängig von der Risikogruppe und in jedem Fall bei den Hochrisikopatienten.
- Ixazomib ist in Posttransplantationsbehandlungsschemata (Konsolidierung, Maintenance) sinnvoll und nebenwirkungsarm zu applizieren.
“Die Rolle von Ixazomib in der Primärtherapie kann am ehesten in seiner Anwendung in einer Postinduktion (Konsolidierung und Erhaltung) gesehen werden.“ Prof. Dr. Igor Wolfgang Blau
Die Individualisierung der Rezidivtherapie kommt
POLLUX-Studie
Das Update der POLLUX-Studie [13] (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 und EMN-Meeting 2018 auf hematooncology.com) (Vergleich von Daratumumab+Lenalidomid+Dexamethason [D-Rd] mit Lenalidomid+Dexamethason [Rd] beim refraktären oder rezidivierten MM (RRMM) zeigt im D-Rd-Arm einen erreichten Median des PFS von 44,5 Monaten (vs. 17,5 Monate im Rd-Arm) nach einer Follow-up-Zeit von 44,3 Monaten (HR = 0,44; 95-%-KI: 0,35─0,55; p < 0,0001) (Abb. 5). Diese Ergebnisse bleiben einzigartig und weisen die D-Rd-Kombination als effektivste Therapie der Gegenwart im Rezidiv des MMs aus.
Abb. 5: POLLUX-Studie: D-Rd führt zu einem signifikant verlängerten PFS im Vergleich zum Rd-Arm (modifiziert nach
[13])
CASTOR-Studie
Das Update der CASTOR-Studie [14] (siehe auch Bericht vom EMN-Meeting 2018 auf hematooncology.com), einem Vergleich von Daratumumab+Bortezomib+Dexamethason [D-Vd] mit Bortezomib+Dexamethason [Vd], bestätigte die hervorragende Wirksamkeit der D-VD-Kombination insbesondere im ersten Rezidiv nach einer erfolgten Erstlinientherapie (medianes PFS: 27,0 Monate vs. 7,9 Monate; HR = 0,23; 95-%-KI: 0,16─0,33; p < 0,0001). Auch in der ITT-Population war das PFS unter D-Vd signifikant verlängert (medianes PFS: 16,7 Monate vs. 7,1 Monate; HR = 0,31; 95-%-KI: 0,25─0,40; p < 0,0001) (Abb. 6).
Abb. 6: CASTOR-Studie: signifikant verlängertes PFS unter Therapie mit D-Vd im Vergleich zum Vd-Arm (ITT-Population) (modifiziert nach
[14])
Dimopoulos et al. untersuchten die Wirksamkeit des monoklonalen Anti-CD38-Antikörpers Isatuximab als Monosubstanz versus eine Kombination von Isatuximab+Dexamethason bei Patienten mit RRMM [15]. Das Ansprechen ohne Dexamethason (26%; n = 109) und in Kombination mit Dexamethason (44%; n = 50) im Rezidiv bei vorbehandelten Patienten entspricht den Erwartungen und dokumentiert die große Potenz dieses weiteren Anti-CD38-Antikörpers. Enrique Ocio präsentierte die vorläufigen Behandlungsergebnisse der Phase-I-Studie zur Kombination von Isatuximab (ISA) mit Bortezomib+Lenalidomid+Dexamethason (VRd) bei nicht transplantablen Patienten mit neu diagnostiziertem MM [16]. Dabei konnte die herausragende Effektivität der Vierfachkombination ohne Zytostatika dokumentiert werden: Auf die Kombinationstherapie mit Isatuximab wurde ein 100%iges Ansprechen (ORR) erreicht. Das Ansprechen besser als die VGPR wurde in 92% der Fälle beobachtet. Insgesamt erreichten 7 von 16 Patienten (44%) eine MRD-Negativität.
MOR202-Studie
Marc Raab aus Heidelberg berichtete von den ersten Ergebnissen der deutschen MOR202-Studie [17] (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 auf hematooncology.com) . In dieser Phase-I/IIa-Studie erfolgte die Gabe von MOR202 (einem monoklonaler Anti-CD38-Antikörper) in Kombination mit Dexamethason oder Pomalidomid+Dexamethason oder Lenalidomid+Dexamethason beim RRMM. Die behandelten etwa 100 Patienten konnten in den meisten Fällen von der Therapie mit diesem CD38-Antikörper allein, in Kombination mit Lenalidomid oder mit Pomalidomid profitieren.
ELOQUENT-3-Studie
Katja Weisel stellte nun die Ergebnisse der Lebensqualitätsanalyse der im Sommer dieses Jahres vorgestellten ELOQUENT-3-Studie vor [18] (siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 auf hematooncology.com) . Die Daten zur Lebensqualität wurden mit dem MDASI-MM-Modul (MDASI-MM = MD Anderson Symptom Inventory for multiple Myeloma) und der 3-Level-Version des EuroQoL 5 Dimensions Questionnaire (EQ-5D-3L) erhoben. Es konnte gezeigt werden, dass eine erfolgreiche Rezidivtherapie (die erweiterte Kombination Elotuzumab+Pomalidomid+Dexamethason [EPd] sowie der Therapiearm mit Pomalidomid+Dexamethason [Pd]) zu einer Verbesserung der Lebensqualität führt. Entsprechend wird die Kombination von Elotuzumab und Pomalidomid in naher Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Therapie im Rezidiv nach Lenalidomid werden.
Carfilzomib
Die Analyse der Daten aus den 3 zulassungsrelevanten Carfilzomibstudien (ASPIRE [19] [siehe auch Bericht vom ASH-Kongress 2017 auf hematooncology.com] , ENDEAVOR [20] und A.R.R.O.W. [21] [siehe auch Bericht vom EHA-Kongress 2018 und ASCO-Kongress 2018 auf hematooncology.com] ) bestätigt die Bedeutung von Carfilzomib in der Rezidivsituation. Der Therapieerfolg hing nicht davon ab, ob es sich um das erste, zweite oder ein folgendes Rezidiv handelte, ob Carfilzomib/Dexamethason in Kombination mit Lenalidomid/Dexamethason oder allein gegeben wurde oder ob die Gabe zweimal oder einmal wöchentlich erfolgte ([22] [21]). Von besonderem Interesse waren die wissenschaftlichen Arbeiten zur Untersuchung der Nebenwirkungsursachen bei Carfilzomib, wie etwa die Studie von Quach et al. [23], welche die kardiovaskulären Nebenwirkungen und den Stellenwert des BNP-Spiegels (BNP = B-Typ-natriuretisches Peptid) näher charakterisierten.
GMMG-ReLApsE-Studie
Besondere Beachtung fand die Vorstellung der GMMG-ReLApsE-Studie [24]. Goldschmidt et al. betrachteten dabei zum einen den Therapieansatz mit Salvage-HD-Chemotherapie+ASCT+Lenalidomid-Erhaltungstherapie (Arm B) versus eine kontinuierliche Therapie mit Lenalidomid+Dexamethason (Arm A) beim rezidivierten MM. In dieser randomisierten Phase-III-Studie wurde erstmals unter Einbeziehung moderner Therapeutika die Rolle der HD-Melphalan-Therapie im Rezidiv untersucht. Die Studie zeigt ein eindeutiges Ergebnis. (Abb. 7).
Abb. 7: GMMG-ReLApsE-Studie: signifikanter Überlebensvorteil für das PFS unter Therapie im HD-Arm (Arm B) im Vergleich zu Arm A (Lenalidomid+Dexamethason) (modifiziert nach
[24])
In der Primäranalyse war der OS-Unterschied in der Intention-to-treat(ITT)-Population im Vergleich der beiden Gruppen (dauerhafte Rd-Therapie vs. Rd-Induktion und HD-Melphalan-Therapie, gefolgt von Lenalidomid-Erhaltungstherapie) nicht signifikant. Betrachtet man die Daten ab dem Zeitpunkt der HD-Chemotherapie, so hat sich das OS bei den Patienten, die tatsächlich mit HD-Chemotherapie+ASCT behandelt wurden (41 Patienten [29,5%] sind aus verschiedenen Gründen nicht transplantiert worden), zugunsten des HD-Arms signifikant verbessert (medianes OS: NE vs. 57,0 Monate; HR = 0,56; p = 0,046). Auch für das PFS zeigte sich dann bei den tatsächlich transplantierten Patienten ein Vorteil für den HD-Arm (medianes PFS: 23,3 Monate vs. 20,1 Monate; HR = 0,74; p = 0,09).
Fazit
- Mit der Darstellung der aktuellen Ergebnisse der verschiedenen großen Rezidivtherapiestudien, die in den vergangenen 3 Jahren zur Zulassung der neuen Substanzen geführt haben, wird immer klarer, welcher Patient für welche Behandlung am besten geeignet ist. So kann jeder Patient die für ihn wirksamste und am besten verträgliche Behandlung bekommen.
“Erstmals wurde gezeigt, dass die HD-Chemotherapie mit Melphalan gefolgt von einer Lenalidomid-Erhaltungstherapie im Rezidiv beim multiplen Myelom einer Rd-Dauertherapie hinsichtlich PFS und OS signifikant überlegen ist.“ Prof. Dr. Igor Wolfgang Blau
Neue klinische Entwicklungen
Die Therapie des multiplen Myeloms bleibt eine Herausforderung. Auch deshalb geht die Entwicklung neuer potenter Substanzen gegen den Plasmazelltumor weiter. Auf dem diesjährigen ASH-Kongress gab es eine Reihe von Präsentationen und Updates laufender Studien mit Selinexor (KPT-330), Venetoclax und Melflufen sowie mit neuen Proteasominhibitoren (u. a. Oprozomib, Marizomib) und immunmodulatorischen Arzneimitteln (IMiDs). Besonders in China ist eine große Zahl von Patienten mit CAR-T-Zellen gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) behandelt worden. Ergebnisse müssen jedoch noch abgewartet werden. Es wurden erste Daten eines bispezifischen monoklonalen Antikörpers (AMG 701) vorgestellt, der die T-Zell-vermittelte Tumorlyse von BCMA-positiven MM-Zellen bei refraktären Patienten induzieren konnte [25].
Fazit
- Im Rezidiv sind Kombinationsbehandlungen mit Antikörpern wirksam und gehören zum Standard. Die Ergebnisse der vorgestellten neuen und der bekannten Studien rechtfertigen einen breiten Einsatz bei rezidivierten Myelompatienten.
- Der Einsatz von Proteasominhibitoren und IMiDs sollte je nach Begleiterkrankungen, vorherigen Behandlungen und dem Ansprechen auf Vortherapien modifiziert werden.
- Die HD-Melphalan-Therapie im Rezidiv hat einen festen Stellenwert. Der Vorteil konnte erstmals in einer randomisierten Phase-III-Studie nachgewiesen werden.
- Besonders Kombinationen von Antikörpern und Pomalidomid könnten eine große Bedeutung im Rezidiv nach einer Lenalidomid-Vortherapie erlangen.
- Neue Therapeutika und Therapiekonzepte werden weiterhin getestet. Sie können zukünftig neue Bausteine in der Myelomtherapie werden.
„Auf der 60. Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie wurden die großen Fortschritte der Therapie des multiplen Myeloms der letzten Jahre auf glänzende Weise bestätigt und neue vertiefende Studienergebnisse vorgestellt.“ Prof. Dr. Igor Wolfgang Blau
Quellen
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- Facon T et al. Phase 3 Randomized Study of Daratumumab Plus Lenalidomide and Dexamethasone (D-Rd) Versus Lenalidomide and Dexamethasone (Rd) in Patients with Newly Diagnosed Multiple Myeloma (NDMM) Ineligible for Transplant (MAIA). Presented at ASH 2018, San Diego, abstract LBA-2.
- Voorhees P et al. Efficacy and Updated Safety Analysis of a Safety Run-in Cohort from Griffin, a Phase 2 Randomized Study of Daratumumab ﴾Dara﴿, Bortezomib ﴾V﴿, Lenalidomide ﴾R﴿, and Dexamethasone ﴾D; Dara‐Vrd﴿ Vs. Vrd in Patients (Pts) with Newly Diagnosed (ND) Multiple Myeloma ﴾MM﴿ Eligible for High‐Dose Therapy ﴾HDT﴿ and Autologous Stem Cell Transplantation ﴾ASCT﴿. ASH 2018, San Diego, abstract 151.
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- Liu C et al. Phase II Trial of Combination of Elotuzumab, Lenalidomide, and Dexamethasone in High-Risk Smoldering Multiple Myeloma. ASH 2018, San Diego, abstract 154.
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