EHA 2026 - Test cc 01
11. bis 14. Juni, Stockholm
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wissenschaftliche Highlights mitExpertenmeinungen zur Praxisrelevanz
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Prof. Dr. med. Georg Lenz, Translationale Onkologie, Universitätsklinikum Münster
Neue therapeutische Strategien und der Einsatz neuer innovativer Substanzen waren die zentralen Themen auf der 21. Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) in Kopenhagen in Bezug auf die Behandlung von Patienten mit malignen Lymphomen. Verschiedene Studien mit unterschiedlichen Therapiekonzepten wurden zu diesen Themen präsentiert. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über einige der interessantesten Ergebnisse der vorgestellten Studien.
Etwa 65% der betroffenen Patienten mit diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) können durch eine kombinierte Behandlung mit dem anti-CD20-Antikörper Rituximab und einer CHOP-Chemotherapie (R-CHOP) geheilt werden. Insbesondere Patienten, die frühzeitig nach einer R-CHOP-Behandlung rezidivieren, beziehungsweise Patienten, die nicht auf R-CHOP ansprechen (sogenannte therapierefraktäre Patienten), weisen in der Regel eine sehr schlechte Prognose auf [1]. Insofern ist die Identifikation neuer therapeutischer Zielstrukturen beziehungsweise der Einsatz neuer Substanzen von entscheidender Bedeutung.
Das Rezidivrisiko von Patienten wird in der Regel immer noch durch den International Prognostic Index (IPI) abgeschätzt. Dabei weisen Patienten mit einem hohen IPI-Risikoprofil häufig eine schlechtere Prognose auf [2]. Im Rahmen der PILLAR-2-Studie wurde nun untersucht, ob nach dem Erreichen einer kompletten Remission nach einer Rituximab-haltigen Chemotherapie die Gabe des mTOR-Inhibitors Everolimus zu einer Verbesserung der Prognose von DLBCL-Patienten mit einem erhöhten Risikoprofil (IPI > 3) führt [3]. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 50,4 Monaten zeigte sich allerdings kein signifikanter Unterschied im krankheitsfreien Überleben bei Patienten, die Everolimus für ein Jahr erhalten hatten, im Vergleich zu Patienten, die mittels Placebo therapiert wurden (p = 0,276). Diese Daten legen nahe, dass die zusätzliche Gabe von Everolimus wahrscheinlich zu keiner Verbesserung der Langzeitergebnisse von Hochrisiko-DLBCL-Patienten führen wird.
Fazit
Um den Einsatz neuer therapeutischer Substanzen bei Patienten mit rezidiviertem beziehungsweise therapierefraktärem DLBCL zu untersuchen, analysierte Mondello et al. die Wirksamkeit von Lenalidomid [4]. In einer retrospektiven Analyse von 123 Patienten, die zwischen 2006 und 2015 mit einer Lenalidomid-Monotherapie behandelt wurden, zeigte sich, dass Patienten mit unterschiedlichen molekularen DLBCL-Subtypen unterschiedlich auf Lenalidomid ansprachen. DLBCLs lassen sich mittels genomweiter Genexpressionsanalysen in sogenannte DLBCLs vom aktivierten B-Zell-Subtyp (ABC-DLBCL) sowie in DLBCLs vom Keimzentrumstyp unterscheiden (GCB-DLBCL). Eine vereinfachte Unterscheidung erfolgt in GCB-DLBCLs und Non-GCB-DLBCLs mittels Immunhistologie. 32% der Non-GCB-DLBCL-Patienten zeigten unter Lenalidomid eine komplette Remission (CR) und 33% eine partielle Remission (PR). Bei den GCB-DLBCL-Patienten lagen die Remissionsraten bei 0% (CR; p < 0,0001) beziehungsweise 3% (PR; p = 0,001). Die Dauer des Ansprechens (DOR) lag bei GCB-DLBCL-Patienten bei vier Monaten und bei Non-GCB-DLBCL-Patienten bei 15 Monaten (p < 0,001). Im Gegensatz dazu zeigte sich im Gesamtüberleben kein Unterschied (p = 0,2).
Fazit
„Lenalidomid scheint bei rezidivierten beziehungsweise therapierefraktären Non-GCB-DLBCL-Patienten wirksam zu sein, wobei weitere Studienergebnisse notwendig sind, um dies eindeutig zu belegen“. Prof. Dr. Georg Lenz
Trotz signifikanter Fortschritte bei der Behandlung des fortgeschrittenen Mantelzelllymphoms (MCL) haben betroffene Patienten immer noch eine ungünstige Prognose [5]. Insofern sind neue therapeutische Ansätze sowie neue Substanzen für die Behandlung betroffener Patienten dringend notwendig.
Hochdosischemotherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation
Nach einer Induktionstherapie ist eine Hochdosischemotherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation bei jüngeren Patienten eine Standardtherapie. Eskelund und Kollegen (Eskelund et al., Abstract S437) untersuchten den Langzeitverlauf von MCL-Patienten, die im Rahmen der MCL2-Studie unter anderem mit einer Ara-C-haltigen Induktionstherapie, gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation, behandelt wurden [6]. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 11,4 Jahren zeigte sich ein medianes Gesamtüberleben von 12,7 Jahren und ein medianes progressionsfreies Überleben von 8,5 Jahren. Trotz dieser beeindruckenden Ergebnisse zeigte sich allerdings kein Überlebensplateau bei den im Rahmen der Studie behandelten Patienten (Abb. 1).
Fazit
Vielversprechende neue Substanzen für die Behandlung von MCL-Patienten sind insbesondere der BTK-Inhibitor Ibrutinib sowie Lenalidomid. Für beide Medikamente wurden neue Daten auf dem EHA 2016 präsentiert.
Ibrutinib
Ibrutinib wurde 2014 für die Behandlung von rezidivierten und therapierefraktären MCL-Patienten zugelassen. In einer Phase-II-Studie sprachen circa 70% der behandelten Patienten auf eine Ibrutinib-Monotherapie an [7]. In einer „gepoolten Analyse“ untersuchten Rule und Kollegen Faktoren, die das Überleben von rezidivierten und therapierefraktären MCL-Patienten, die mit Ibrutinib behandelt wurden, beeinflussen [8]. Insgesamt wurden 370 Patienten in diese Untersuchung eingeschlossen. In einer multivariaten Analyse zeigte sich, dass der ECOG-„Performance“-Status, der MCL International Prognostic Index (MIPI), „bulky disease“ sowie die blastoide Variante Einfluss auf das Gesamtüberleben von Patienten haben, die mit Ibrutinib behandelt wurden. Diese Daten legen nahe, dass klassische Risikofaktoren das Ansprechen und die Langzeitprognose von MCL-Patienten, die mit Ibrutinib behandelt werden, bestimmen.
Fazit
Lenalidomid
Trotz der Fortschritte in der Behandlung von Patienten mit MCL rezidiviert ein Großteil der betroffenen Patienten. Lenalidomid ist eine Substanz, die in unterschiedlichen Studien eine Wirksamkeit bei der Behandlung von MCL-Patienten zeigte [9]. Lenalidomid als Monotherapie bei rezidivierten und therapierefraktären MCL-Patienten zeigt in circa 30–35% der Fälle ein Ansprechen [10]. Arcaini und Kollegen stellten nun auf dem diesjährigen EHA-Kongress Daten der SPRINT-Studie (MCL-002) mit einer längeren Nachbeobachtungzeit vor [11]. Im Rahmen dieser Studie wurden rezidivierte MCL-Patienten, die für eine intensive Behandlung mit einer autologen Stammzelltransplantation nicht in Frage kamen, zwischen Lenalidomid und einer „investigator-choice“-Monotherapie randomisiert. Im Rahmen dieser Auswertung zeigten sich bei Patienten, die mit Lenalidomid behandelt wurden, ein signifikant verbessertes medianes progressionsfreies Überleben (8,6 vs. 5,4 Monate; Hazard Ratio = 0,67 [95-%-KI: 0,48–0,89]; sequentieller log-rank-p = 0,012) und höhere Ansprechraten (ORR 46% vs. 23%, p < 0,001); CR/CRu 12% vs. 8%, p = 0,336). Hinsichtlich der Lenalidomidnebenwirkungen traten insbesondere hämatologische Toxizitäten auf. Insgesamt festigen diese Daten die Ansicht, dass Lenalidomid eine wirksame Substanz beim rezidivierten MCL ist.
Fazit
„Lenalidomid zeigt eine vielversprechende Aktivität bei Patienten mit Mantelzelllymphom. Der genaue Stellenwert in der Therapie muss allerdings durch weitere Studien definiert werden “. Prof. Dr. Georg Lenz
Sehr interessante Daten zur Behandlung von Patienten mit rezidivierten Non-Hodgkin-Lymphomen wurden von Kochenderfer et al. präsentiert [12]. Im Rahmen eines Vortrages wurden Daten von insgesamt 22 Patienten mit fortgeschrittener Lymphomerkrankung vorgestellt, die zunächst eine Kombination einer Cyclophosphamid- und Fludarabin-Chemotherapie erhielten. Zwei Tage nach der Chemotherapie-Applikation erfolgte die Gabe von sogenannten CAR(chimeric antigen receptor)-T-Zellen. 16 der 22 Patienten zeigten ein Ansprechen auf diese Therapie, elf davon eine komplette Remission (8/19 Patienten mit DLBCL, 2/2 Patienten mit follikulärem Lymphom und 1/1 Patient mit MCL). Die Dauer des Ansprechens variierte zwischen einem und 20 Monaten, wobei zehn Remissionen momentan noch andauern. Im Rahmen der Behandlung traten insbesondere neurologische Nebenwirkungen sowie Fieber und Hypotension auf. Auch wenn insgesamt die Anzahl der im Rahmen dieser Studie behandelten Patienten klein ist, sind diese Ergebnisse vielversprechend und deuten an, dass CAR-T-Zellen eine hohe Wirksamkeit bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Lymphomerkrankung haben könnten.
„Die Ergebnisse zu CAR-T-Zellen bei Patienten mit fortgeschrittener Lymphomerkrankung sind vielversprechend, wobei weitere Studienergebnisse abgewartet werden sollten“. Prof. Dr. Georg Lenz