Dr. med. Gabriele Siegler, Klinik für Innere Medizin 5 mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie, Klinikum Nürnberg/Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Nürnberg
Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebserkrankungen mit einer der höchsten tumorspezifischen Mortalitäten. Eine Heilung ist nur durch Resektion erreichbar. Ein multimodaler, interdisziplinärer Ansatz mittels neoadjuvanter Chemotherapien und Implementation einer explorativen Laparotomie bei zumindest stabiler Krankheitssituation kann die Resektionsrate und das Überleben signifikant steigern.
Therapie des lokal fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms
Circa 30% der Pankreaskarzinome werden bei der Erstdiagnose schon zu den lokal fortgeschrittenen Tumoren gerechnet. Eingeschlossen sind hier sowohl die primär irresektablen als auch die grenzwertig resektablen Tumoren. Die Festlegung von Resektabilitätskriterien anhand der Bildgebung wird jedoch von den verschiedenen onkologischen Gesellschaften, wie zum Beispiel von dem National Comprehensive Cancer Network (NCCN) oder dem MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas, und insbesondere auch von den Tumorchirurgen kontrovers diskutiert.
Mehrere nicht randomisierte Multizentrumsstudien zeigten in den letzten Jahren durch intensivierte Therapieprotokolle wie FOLFIRINOX (Folinsäure+5-Fluorouracil+Irinotecan+Oxaliplatin) Resektionsraten von bis zu 15% bei lokal fortgeschrittenen Tumoren (LAPCs) [1,2,3].
Beim ESMO-Kongress 2019 präsentierte nun die Studiengruppe um Volker Kunzmann aus Würzburg Ergebnisse aus der ersten prospektiven randomisierten Studie (NEOLAP-Studie, NCT02125136) zur neoadjuvanten Therapie bei grenzwertig resektablen und primär irresektablen duktalen Adenokarzinomen [4]. Als primärer Endpunkt wurde die Konversionsrate von Irresektabilität zu Resektabilität nach einer neoadjuvanten Chemotherapie gewählt. Nach der Biopsie erfolgten zunächst 2 Zyklen Induktionschemotherapie mit nab-Paclitaxel+Gemcitabin (nab-P+Gem) für alle Patienten. Nach 8 Wochen wurde in die beiden sich anschließenden Therapiearme randomisiert: entweder in Arm A mit 2 weiteren Zyklen nab-P+Gem oder in Arm B mit einem Switch des neoadjuvanten Chemotherapieprotokolls in nachfolgend 4 Zyklen eines sequentiellen, nicht modifizierten FOLFIRINOX-Schemas (= sqFOLFIRINOX mit Oxaliplatin, Irinotecan, Leucovorin, 5-Fluorouracil [5-FU]). Der Hintergrund für dieses Vorgehen sind Daten, die zeigen, dass durch die vorgeschaltete Chemotherapie mit einer nab-Paclitaxel-Kombination das tumorumgebende Stroma durchlässiger für andere Zytostatika wird. Dadurch können die intratumoralen Zytostatikakonzentrationen gesteigert werden [5]. Nach der Applikation der Neoadjuvanz war eine explorative Laparotomie bei zumindest stabiler Krankheitssituation in der Bildgebung protokollgemäß vorgeschrieben. Wurde eine R0- oder R1-Resektion erreicht, erfolgte eine adjuvante Therapie mit 3 weiteren Zyklen nab-P+Gem (Abb. 1).
Abb. 1: NEOLAP-Studie: neoadjuvante Therapie mit nab-P+Gem versus sqFOLFIRINOX nach Induktion mit nab-P+Gem bei nicht resektablem LPAC (modifiziert nach [4])
Von 168 eingeschlossenen Patienten aus 33 deutschen Zentren erhielten 60 mit nab-P+Gem beziehungsweise 52 Patienten mit sqFOLFIRINOX die protokollgerechte Neoadjuvanz. 40 Patienten aus dem nab-P+Gem-Arm beziehungsweise 42 Patienten aus dem sqFOLFIRINOX-Arm wurden im Verlauf explorativ laparotomiert. Insgesamt 33 Patienten waren während der Neoadjuvanz progredient (20%). Diese Gruppe scheint somit zu einer Population mit prognostisch ungünstigem Verlauf und aggressivem Tumorwachstum zu gehören. Diese Patienten hätten auch bei Vorliegen primärer Resektabilitätskriterien wohl kaum von einer Primariusresektion profitiert, da man schon prätherapeutisch von einer Therapierefraktärität der bereits initial vorliegenden Systemerkrankung hätte ausgehen können.
Bei 45,0% der Patienten im sqFOLFIRINOX-Arm und bei 30,6% der Patienten im nab-P+Gem-Arm konnte eine R0/R1-Resektion erreicht werden (Odds Ratio [OR]: 0,54; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 0,26─1,13; p = 0,135). Von der gesamten Intention-to-treat(ITT)-Population konnten 27,9% der Patienten letztendlich reseziert werden (Abb. 2).
Abb. 2: NEOLAP-Studie: unter Therapie mit sqFOLFIRINOX nach Induktion mit nab-P+Gem konnte eine verbesserte Konversionsrate von Irresektabilität zu Resektabilität erreicht werden (modifiziert mach
[4])
Die Toxizität war gut tolerabel und warf keine neuen Sicherheitsbedenken auf. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 7,9 Monate im nab-P+Gem-Arm versus 9,7 Monate im sqFOLFIRINOX-Arm mit einer Krankheitskontrollrate von 75,0% im sqFOLFIRINOX-Arm beziehungsweise 82,3% im nab-P+Gem-Arm. Das mediane Gesamtüberleben (mOS) betrug 22,5 Monate im sqFOLFIRINOX-Arm versus 17,2 Monate im nab-P+Gem-Arm (adjustierte Hazard Ratio [HR]: 0,73; 95-%-KI: 0,42─1,28; p = 0,268). Es zeigt sich also ein Trend für eine höhere Konversionsrate und für ein besseres Gesamtüberleben mit sqFOLFIRINOX. Dieser Trend war aber nicht signifikant – eventuell auch aufgrund der kleinen Fallzahl.
Ein signifikanter Überlebensvorteil zeigte sich jedoch in der resezierten Gruppe mit einem mOS von 27,4 Monaten im Vergleich zu den nicht resezierten Patienten mit nur 14,2 Monaten (HR: 0,45; 95-%-KI: 0,26─0,78; p = 0,0035) (Abb. 3).
Abb. 3: NEOLAP-Studie: Patienten, die reseziert wurden, hatten ein signifikant verbessertes medianes Gesamtüberleben (modifiziert nach
[4])
Erwähnenswert sind auch die im Rahmen einer Posterdiskussion vorgestellten Ergebnisse der multizentrischen randomisierten Phase-II-GAP-Studie (NCT02043730) der italienischen Studiengruppe GISCAD [6]. Hierbei wurde erstmals die bereits in vielen Ländern in der palliativen Situation etablierte Chemotherapie mit nab-P+Gem in der nicht metastasierten Situation bei lokal fortgeschrittenem und irresektablem Tumor direkt mit einer Gem-Monotherapie verglichen. Bei Vorliegen einer zumindest stabilen Krankheitssituation nach 3 Zyklen erfolgte eine konsolidierende Radiochemotherapie mit Capecitabin über 5 Wochen. 124 Patienten konnten in die Studie eingeschlossen und in die beiden Therapiearme randomisiert werden. Der primäre Endpunkt, die Progressionsrate (disease progression rate, DPR) nach 3 Zyklen Chemotherapie, zeigte eine deutliche Überlegenheit des Kombinationsarms (25,4% im nab-P+Gem-Arm versus 45,6% im Gem-Arm; p = 0,01). Das mediane PFS (7,6 Monate versus 5,1 Monate; HR: 0,71; 95-%-KI: 0,51─0,99) und das mediane OS (13,1 Monate versus 10,7 Monate; HR: 0,65; 95-%-KI: 0,44─0,94; p = 0,03) spiegelten den Vorteil der Kombinationstherapie nab-P+Gem wider. Interessant ist hierbei auch, dass insbesondere die Fernmetastasierungsrate deutlich von 31,6% im Gem-Arm auf 9,5% im nab-P+Gem-Arm gesenkt werden konnte.
Fazit
- Die Daten der NEOLAP- und GAP-Studien wurden auf dem ESMO-Kongress 2019 als die beiden Highlights zur Thematik des Pankreaskarzinoms vorgestellt.
- Ein neoadjuvantes Vorgehen mittels intensivierter Chemotherapie mit nab-Paclitaxel+Gemcitabin beziehungsweise mit einem nicht modifizierten FOLFIRINOX-Schema nach Induktion mit nab-P+Gem führt bei lokal fortgeschrittenen Pankreaskarzinomen bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer R0/R1-Resesktion.
- Eine Aussage darüber, ob die Therapie mit dem sqFOLFIRINOX-Schema effektiver ist als mit der Kombination von nab-Paclitaxel+Gemcitabin, kann anhand der NEOLAP-Studie nicht getroffen werden.
- Die explorative Laparotomie zeigte, dass die alleinige Bildgebung zur Wertung eines Therapieansprechens nach einer intensivierten Chemotherapie oftmals unzureichend ist.
- Die bereits beim metastasierten Pankreaskarzinom zugelassene Kombination von nab-Paclitaxel+Gemcitabin ist in der irresektablen, aber metastasenfreien Situation einer Gemcitabin-Monotherapie überlegen und senkt insbesondere das Metastasierungsrisiko. Welchen Stellenwert die konsolidierende Radiochemotherapie dabei einnimmt, bleibt noch unklar. Sie kann aber basierend auf den Daten der Phase-II-GAP-Studie nach 3 Zyklen Chemotherapie angeboten werden.
“Die Diskussion neoadjuvant intendierter Therapieansätze beim lokal fortgeschrittenen Pankreaskarzinom muss als Standard in den interdisziplinären Tumorkonferenzen etabliert werden. Eine explorative Laparotomie sollte bei fehlenden eindeutigen Progresszeichen in der Bildgebung angestrebt werden.“ Dr. med. Gabriele Siegler
Therapie des metastasierten Pankreaskarzinoms
Auch beim Pankreaskarzinom werden intensiv zielgerichtete Therapieansätze untersucht. Monotherapien mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs), mit Immuncheckpointinhibitoren oder mit EGFR/VEGFR-Antikörpern (EGFR = epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor; VEGFR = vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktorrezeptor) erbrachten bisher keinen signifikanten Nutzen. Umso erwähnenswerter ist die Tatsache, dass Patienten mit einer Keimbahnmutation im BRCA1/2-Gen von einer Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor (PARP = Poly-ADP-Ribose-Polymerase) wie Olaparib profitieren. Aufgrund der bereits beim diesjährigen ASCO-Kongress (siehe auch den Pankreaskarzinom-Bericht vom ASCO-Kongress 2019 auf hematooncology.com) vorgestellten Ergebnisse der randomisierten, doppelt verblindeten, placebokontrollierten Phase-III-POLO-Studie (NCT02184195) [7] empfiehlt das NCCN die Testung aller Pankreaskarzinompatienten auf eine BRCA-Keimbahnmutation in seinen Leitlinien. Der primäre Endpunkt war das PFS. Olaparib führte nach einer platinhaltigen Chemotherapie in der Erstlinie zu einer signifikanten Verlängerung des medianen PFS (von 3,8 auf 7,4 Monate; HR für Progression oder Tod: 0,53; 95-%-KI: 0,35─0,82; p = 0,004), was sich allerdings bis jetzt nicht auf eine signifikante Verlängerung des medianen OS überträgt (18,1 Monate in der Placebogruppe versus 18,9 Monate in der Olaparib-Gruppe; HR für Tod: 0,91; 95-%-KI: 0,56─1,46; p = 0,68). Ein möglicher Grund hierfür könnte die Einnahme von PARP-Inhibitoren in den Folgetherapien nach einer Progression sein. Dies betraf einen kleinen Anteil (9%) der 53 Patienten des initialen Kontrollarms. Nicht unterschätzt werden sollte zudem der Nutzen einer platinhaltigen Erstlinientherapie bei BRCA-positiven Patienten. Auch hier wurden inzwischen die NCCN-Leitlinien angepasst.
Pascal Hammel stellte auf dem diesjährigen ESMO-Kongress nun Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL) der POLO-Studie vor [8]. Die Lebensqualitätsscores waren unter der Olaparib-Erhaltungstherapie nicht signifikant unterschiedlich im Vergleich zum Placeboarm. Allerdings litten die Patienten unter Olaparib vermehrt unter Inappetenz (p = 0,003) und Fatigue (p = 0,001). Die Auswertung weiterer sekundärer Endpunkte zeigte eine deutliche Verlängerung der Dauer der Erstlinientherapie (TTD = time-to-treatment discontinuation) von 3,8 Monaten im Placeboarm auf 7,2 Monate im Olaparib-Arm (HR: 0,45; 95-%-KI: 0,30─0,67; p = 0,0001) und der Zeit bis zur ersten Folgetherapie (TFST = time to first subsequent therapy) von 5,7 Monaten auf 8,6 Monate (HR: 0,50; 95-%-KI: 0,32─0,76; p = 0,0013) sowie der Zeitdauer bis zur 2. Folgetherapie oder Tod (TSST = time to second subsequent therapy) von 9,2 Monaten auf 13,2 Monate (HR: 0,68; 95-%-KI: 0,44─1,05; p = 0,083).
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass diese in Europa noch nicht zugelassene Therapieoption nur für etwa 5% aller Pankreaskarzinompatienten nutzbringend sein könnte. Des Weiteren liegt in Deutschland die Standardtestung auf Keimbahnmutationen in den BRCA-Genen bei Pankreaskarzinomen aufgrund der fehlenden Abrechnungsmöglichkeit leider noch in weiter Ferne. Allerdings darf den Patienten auch bei einer Genehmigung eines individuellen Heilversuchs mit Olaparib nicht die Information vorenthalten werden, dass zwar mit einem längeren progressions- und chemotherapiefreien Intervall gerechnet werden kann, dies sich aber bis dato nicht in einem Überlebensvorteil widerspiegelt und möglicherweise mit einer Einschränkung der Lebensqualität durch mehr Inappetenz und Fatigue erkauft wird.
In der metastasierten Situation fehlen noch immer weitere innovative, wirklich Erfolg versprechende Therapiemöglichkeiten. Phase-I-Studien mit onkolytischen Viren wie VCN-01 oder Studien mit immunmodulatorischen, in die Epigenetik eingreifenden Strategien (z. B. die geplante multizentrische Phase-I/II-SEPION-Studie [AIO-PAK-0118]) können Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit geben. Ob diese Ansätze weiterverfolgt werden sollten, bleibt abzuwarten.
Daten der „First-in-Human“-Phase-I-Studie zur Therapie mit VCN-01 (NCT02045602) stellte Rocio Garcia-Carbonero nun auf dem ESMO-Kongress vor [9]. VCN-01 zeigt bei systemischer Applikation ein gutes Sicherheitsprofil in Kombination mit Standard-of-Care(SoC)-Regimen beim Pankreaskarzinom. Aufgrund der Tatsache, dass VCN-01 die Tumoren systemisch erreicht, kann die Tumormatrix so verändert werden, dass eine Infiltration mit Immunzellen möglich wird.
Pankreaskarzinome mit einer hohen Expression von Hyaluronsäure im desmoplastischen Stroma könnten von einer spezifischen Therapie mit Hyaluronidasederivaten profitieren (Phase-III-HALO-109-301-Studie, NCT02715804).
Fazit:
- Patienten mit einer BRCA-Keimbahnmutation können durch eine zielgerichtete Therapie mit Olaparib nach einer platinhaltigen Chemotherapie mit einem längeren chemotherapiefreien Intervall und einem verlängerten progressionsfreien Überleben rechnen. Durch die alleinige Therapie mit Olaparib ist keine signifikante Einschränkung der Lebensqualität zu befürchten. Fatigue und Inappetenz können jedoch vermehrt auftreten.
- Therapieansätze mit Hyaluronidasederivaten oder die epigenetische Modulation in Kombination mit Chemotherapien sind derzeit eine der wenigen möglicherweise Erfolg versprechenden Innovationen beim Pankreaskarzinom.
“Eine breite molekulare Testung auf BRCA-Keimbahnmutationen, welche sich auch im einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abbilden würde, wäre wünschenswert. So könnten Therapieansätze mit platinhaltigen Kombinationen oder gegebenenfalls mit Olaparib schneller gezielt für geeignete Patientensubgruppen angeboten werden. Gerade für dieses Patientenkollektiv mit einer der höchsten tumorspezifischen Mortalitätsraten wäre es enorm wichtig, zeitnah entsprechende Real-World-Daten zu generieren, um den Therapiefortschritt voranzutreiben.” Dr. med. Gabriele Siegler
Adjuvante Therapie
Bereits beim diesjährigen ASCO-Kongress wurden die Ergebnisse der multizentrischen, randomisierten Open-Label-Phase-III-Studie APACT (NCT01964430) vorgestellt [10]. Wider Erwarten zeigte sich nach einer chirurgischen Tumorresektion beim rezidivfreien Überleben (RFS = relapse-free survival) kein signifikanter Vorteil für die Kombination von nab-P+Gem gegenüber der Gem-Monotherapie. Dies mag zunächst erstaunen, da die Kombination aus nab-P+Gem im Vergleich zu einer Monotherapie mit Gem in der metastasierten Situation einen deutlichen Vorteil sowohl im PFS als auch im OS zeigen konnte [11] und weltweit neben dem modifizierten FOLFIRINOX-Regime als effektiver Goldstandard gilt. Beim genaueren Hinsehen darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass bei der APACT-Studie erstmalig das durch einen prüfungszentrumunabhängigen Gutachter (IR = independent reviewer) beurteilte krankheitsfreie Überleben (DFS = disease-free survival) als primärer Endpunkt festgelegt wurde. Die Bewertung erfolgte ausschließlich anhand von CT-Material ohne Bewertung der klinischen Verläufe oder der Entwicklung von Tumormarkern. Das DFS nach Maßgabe des Prüfarztes, ein sekundärer Endpunkt der APACT-Studie, zeigte einen signifikanten Vorteil für die Kombinationschemotherapie (16,6 Monate versus 13,7 Monate; HR: 0,82; 95-%-KI: 0,69─0,97; p = 0,0168). Das mediane IR-beurteilte DFS, der primäre Endpunkt der Studie, ergab dagegen keinen signifikanten Vorteil von nab-P+Gem gegenüber der Gem-Monotherapie (19,4 Monate versus 18,8 Monate; HR: 0,88; 95-%-KI: 0,73─1,06; p = 0,1824). Auf dem diesjährigen ESMO-Kongress wurden nun die Interimsanalysen nach circa 38 Monaten Nachbeobachtung bezüglich des OS der stratifizierten Subgruppen Resektionsstatus (R1: 24%) und Lymphknotenstatus (LN+ = positive Lymphknoten: 72%) vorgestellt [12]. Nur in der LN+-Gruppe konnte im Kombinationsarm ein signifikanter Überlebensvorteil mit einem Median von 33,8 Monaten gegenüber 28,9 Monaten im Monotherapiearm gezeigt werden (HR: 0,79; 95-%-KI: 0,64─0,97; p=0,025) (Abb. 4).
Abb. 4: APACT-Studie: in der Subgruppe der LN+-Patienten war das mediane Gesamtüberleben im nab-P+Gem-Arm gegenüber dem Gem-Arm signifikant verlängert (modifiziert nach
[12])
Die R1-Subgruppe (32,5 Monate vs. 27,0 Monate) sowie die R1/LN+-Subgruppe (30,7 Monate versus 24,9 Monate) zeigten nur einen Trend zum besseren Gesamtüberleben unter einer Kombinationstherapie aus nab-P+Gem.
Hanno Riess stellte aktuelle Daten der APACT-Studie zur Lebensqualität vor [13]. Die Lebensqualitätsindizes, die anhand der EORTC(European Organisation for Research and Treatment of Cancer)-QLQ-C30- und PAN26-Bogen erhoben wurden, zeigten eine etwas stärkere vorübergehende Beeinträchtigung der Lebensqualität während der Chemotherapie. In der Nachbeobachtung war jedoch kein Unterschied mehr zu verzeichnen, was auf reversible Toxizitäten hinweist.
Fazit
- Die Subgruppenzwischenanalyse der APACT-Daten konnte nur für Patienten mit Lymphknotenbefall einen signifikanten Überlebensvorteil unter einer adjuvanten Kombinationschemotherapie aus nab-Paclitaxel+Gemcitabin im Vergleich zu einer Gemcitabin-Monotherapie zeigen.
- Die adjuvante Therapie mit der Kombination aus nab-Paclitaxel+Gemcitabin ist relativ gut verträglich und führt während des Therapieintervalls zwar zu einer signifikanten, aber rasch reversiblen Einschränkung der Lebensqualität im Vergleich zu einer Monotherapie mit Gemcitabin.
- Zur adjuvanten Therapie wurden keine neuen, “practice changing”-Ansätze vorgestellt. Das modifizierte FOLFIRINOX-Regime [14] bei relativ jungen und fitten Patienten beziehungsweise die Gemcitabin-Monotherapie, gegebenenfalls mit Capecitabin im Off-Label-Use, bleiben der Therapiestandard.
„Beim Pankreaskarzinom ist die Bewertung eines möglichen Rezidivs sehr wahrscheinlich nicht alleine nur durch die Bildgebung möglich. Der klinische Verlauf, die Entwicklung des Tumormarkers CA19-9 sowie der Vergleich mit den Vorbefunden müssen dabei mit einfließen. Die Wahl des primären Endpunktes sollte daher auch sehr sorgfältig getroffen werden. Anstelle des krankheitsfreien Überlebens nach Meinung eines unabhängigen Gutachters („DFS by IR“) könnte der Endpunkt „Zeit bis zur ersten Folgetherapie“ (TFST) eine Alternative sein.“ Dr. med. Gabriele Siegler
Erwähnenswert ist auch die prospektive dänische BIOPAC-Studie (NCT03311776) von Louise Rasmussen et al. [15]. Bei 1.271 Patienten mit Pankreaskarzinom wurden die prätherapeutischen Vitamin-D-Serumspiegel ermittelt. Patienten mit Serumspiegeln über 50 nmol/l (232 Patienten), insbesondere im Stadium I/II, hatten ein signifikant verlängertes OSS im Vergleich zu Patienten mit Serumspiegeln unter 25 nmol/l (24 Patienten) (27,8 Monate versus 18,3 Monate; HR: 1,36; 95-%-KI: 1,10─1,68, p < 0,01). Ob dieser Effekt aufgrund eines besseren Allgemeinzustandes oder anderer Lebensfaktoren bedingt ist, müssen zukünftige Studien zeigen.
Auf dem Gebiet der Grundlagenforschung wurden im Rahmen eines ESMO-Colloquiums von David K. Chang (What are the biological reasons for treatment resistance in pancreatic adenocarcinoma?), Eileen M. O`Reilly (New targets on the horizon: Integrating genomics with tumour microenvironment) und David A. Tuveson (Molecular profiling of pancreatic cancer in guiding tumour biology understanding and drug target discovery) sehr interessante Daten zu multiplen Resistenzmechanismen, molekularen Signaturen und deren unterschiedlicher Sensitivität gegenüber den verschiedenen Zytostatika vorgestellt. Ob und wann diese Erkenntnisse den Weg in die Klinik finden, bleibt jedoch noch abzuwarten.
Quellen
- Hammel P et al. Phase II LAPACT trial of nab-paclitaxel (nab-P) plus gemcitabine (G) for patients with locally advanced pancreatic cancer (LAPC). Journal of Clinical Oncology 2018; 36: 204-204.
- Hammel P et al. Effect of Chemoradiotherapy vs Chemotherapy on Survival in Patients With Locally Advanced Pancreatic Cancer Controlled After 4 Months of Gemcitabine With or Without Erlotinib: The LAP07 Randomized Clinical Trial. JAMA 2016; 315: 1844-1853.
- Mukherjee S et al. Gemcitabine-based or capecitabine-based chemoradiotherapy for locally advanced pancreatic cancer (SCALOP): a multicentre, randomised, phase 2 trial. The Lancet. Oncology 2013; 14: 317-326.
- Kunzmann V et al. Conversion rate in locally advanced pancreatic cancer (LAPC) after nab-paclitaxel/gemcitabine- or FOLFIRINOX-based induction chemotherapy (NEOLAP): Final results of a multicenter randomised phase II AIO trial. Presented at Proffered paper session 1 – Gastrointestinal tumours, non-colorectal, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 671O. .
- Alvarez R et al. Stromal disrupting effects of nab-paclitaxel in pancreatic cancer. British journal of cancer 2013; 109: 926-933.
- Cascinu S et al. Nab-paclitaxel (Nab) plus gemcitabine (G) is more effective than G alone in locally advanced, unresectable pancreatic cancer (LAUPC): The GAP trial, a GISCAD phase II comparative randomized trial. Presented at Poster discussion session – Gastrointestinal tumours, non-colorectal, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 673PD.
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- Hammel P et al. POLO: Health-related quality of life (HRQoL) of olaparib maintenance treatment versus placebo in patients with a germline BRCA mutation and metastatic pancreatic cancer (mPC). Presented at Poster discussion session – Gastrointestinal tumours, non-colorectal, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 675PD.
- Garcia-Carbonero R et al. Systemic administration of the hyaluronidase-expressing oncolytic adenovirus VCN-01 in patients with advanced or metastatic pancreatic cancer: First-in-human clinical trial. Poster display session 2, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 710P. .
- Tempero MA et al. APACT: phase III, multicenter, international, open-label, randomized trial of adjuvant nab-paclitaxel plus gemcitabine (nab-P/G) vs gemcitabine (G) for surgically resected pancreatic adenocarcinoma. Journal of Clinical Oncology 2019; 37: 4000-4000.
- Von Hoff DD et al. Increased Survival in Pancreatic Cancer with nab-Paclitaxel plus Gemcitabine. New England Journal of Medicine 2013; 369: 1691-1703.
- Tempero M et al. Phase III, international, multicenter, randomized, open-label trial of adjuvant nab-paclitaxel plus gemcitabine (nab-P/G) vs gemcitabine (G) alone for surgically resected pancreatic adenocarcinoma (APACT): Subgroup analyses. Presented at Poster display session 2, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 682P.
- Riess H et al. Impact of adjuvant treatment with nab-paclitaxel and gemcitabine (nab-P+GEM) vs gemcitabine alone (GEM) on health-related quality of life (QoL) in patients (pts) with surgically resected pancreatic adenocarcinoma (PA) in the adjuvant pancreatic adenocarcinoma clinical trial (APACT). Presented at Poster display session 2, ESMO 2019, Barcelona, abstract 684P.
- Conroy T et al. FOLFIRINOX or Gemcitabine as Adjuvant Therapy for Pancreatic Cancer. New England Journal of Medicine 2018; 379: 2395-2406.
- Rasmussen L et al. Pre-treatment serum 25-hydroxyvitamin D levels and survival in a Danish cohort of patients with pancreatic cancer. Presented at Poster display session 2, ESMO Congress 2019, Barcelona, abstract 699P.
- Bildnachweis: „Ceramic bench and entrance pavilion of park Guell”: © David Pereiras/Adobe Stock; "port de barcelone": © Lotharingia /Adobe Stock