SABCS 2025
9. bis 12. Dezember, San Antonio
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wissenschaftliche Highlights mitExpertenmeinungen zur Praxisrelevanz
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Prof. Dr. med. Mathias Warm, Dr. med. Christian Eichler, Frauenklinik Köln-Holweide
Wie die Ergebnisse der präsentierten Daten vom diesjährigen SABCS zeigen, kann die Hinzunahme von Carboplatin bei der neoadjuvanten Therapie des triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) zu einer Verbesserung der Rate pathologisch kompletter Remissionen (pCR) führen. Ob sich dies auch in eine Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens (DFS) oder des Gesamtüberlebens (OS) übersetzen lässt, ist noch nicht abschließend geklärt. Aktuelle Ergebnisse der GeparSepto Studie zeigen, dass eine Dosisreduktion von nab-Paclitaxel auf 125 mg/m² nicht mit einer reduzierten Wirksamkeit einhergeht, sondern das Risiko für eine periphere Neuropathie (PNP) vermindert.
Bei der neoadjuvanten Therapie des triple-positiven Mammakarzinoms hat sich das überraschende Ergebnis gezeigt, dass eine T-DM1-Monotherapie der Kombinationstherapie mit Trastuzumab + endokriner Therapie überlegen und gleichwertig wie eine Behandlung mit T-DM1 + endokriner Therapie ist.
Die neuen Substanzklassen bei der Therapie des Mammakarzinoms ermöglichen die Unterbrechung der Zellproliferation auf einem molekularen Level. Auch dieses Jahr gab es wieder eine Vielzahl von Vorträgen und Postern, welche den stetig wachsenden Pool der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe beschreiben. Insbesondere bei Patienten mit einem metastasierten Mammakarzinom (MBC) steht uns mittlerweile eine Vielzahl von innovativen Therapien zur Verfügung.
Die Grundlage zu dieser Substudie des ADAPT-Studienkonzeptes [1] ist zum einen, dass die pCR-Rate ein adäquater Surrogatmarker für das Outcome des triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) ist [2] und zum anderen, dass nab-Paclitaxel die deutlich bessere Alternative zu einem herkömmlichen lösungsmittelbasierten Taxan darstellt [3], insbesondere beim TNBC. Die Hinzunahme von Carboplatin zeigte beim TNBC ebenfalls erfolgsversprechende Resultate [4].
Die ADAPT TN-Substudie evaluierte unter anderem eine 12-wöchige neoadjuvante Chemotherapie mit dem an Albumin gebundenen Taxan nab-Paclitaxel (125 mg/m²) in direkter Kombination mit Carboplatin (AUC2) bzw. Gemcitabin (1.000 mg/m²) in insgesamt 8 neoadjuvanten Gaben [1]. Einschlusskriterien waren TNBC (Bestätigung durch zentrale Pathologie), die zudem Kandidaten für eine neoadjuvante Chemotherapie waren (cT1c–cT4c, alle kN, M0, chemotherapiefähig). Es wurden 336 Patienten eingeschlossen bei ungefähr gleicher Verteilung in den nab-Paclitaxel+Carboplatin- (nab-Pac+Carbo; n = 154) und den nab-Paclitaxel+Gemcitabin- (nab-Pac+Gem; n = 182) Arm. Die Zusammensetzung des Patientenkollektivs war wie folgt: medianes Ki-67 von 70 % (nab-Pac+Carbo) und 75 % (nab-Pac+Gem), über 60 % der Patienten hatten cT2-Tumoren oder ausgedehnter, das mediane Alter betrug 52 (nab-Pac+Carbo) bzw. 50 (nab-Pac+Gem) Jahre. Über 73 % der Patienten in beiden Armen waren cN0.
Signifikante Verbesserung der pCR-Rate im nab-Paclitaxel+Carboplatin-Arm
Obgleich diese Phase-II-Studie eine noch begrenzte Fallzahl beschreibt, ermöglichen die Daten die Diskussion und Zusammenführung gleich mehrerer Arbeiten aus den letzten Jahren. Im Vordergrund steht dabei der primäre Endpunkt der ADAPT TN-Studie. Auch mit einer konservativ angelegten pCR-Definition (ypT0/is, ypN0) erreichte der nab-Paclitaxel+Carboplatin-Arm noch immer eine pCR von 45,9 % im direkten Vergleich zu einer pCR-Rate von 28,7 % im nab-Paclitaxel+Gemcitabin-Arm (Abb. 1). Das primäre Studienziel war somit erreicht – mit einem deutlichen Benefit für die Patienten im nab-Paclitaxel+Carboplatin-Arm (p < 0,001).
„Für mich ist das Ergebnis der ADAPT TN-Studie sehr wichtig. Es zeigt, dass mit einer Kombination von nab-Paclitaxel+Carboplatin in nur 12 Wochen eine sehr hohe pathologische Komplettremissionsrate von ca. 46 % erreicht werden kann.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Positives Toxizitätsprofil – Polyneuropathie (PNP) bei weniger als 1 % in beiden Armen
Im letzten Jahr wurde bei der Präsentation der GeparSepto-Studienergebnisse für 150 mg/m² nab-Paclitaxel eine periphere Neuropathie (PNP)-Rate von 84,3 % (alle Grade) bzw. 10,2 % (Grad 3–4) berichtet. Nach einer geplanten Sicherheitsanalyse wurde die Dosis von 150 mg/m² auf 125 mg/m² reduziert. Trotz des Nebenwirkungsprofils überzeugten die pCR-Daten, insbesondere im Bereich des TNBC-Patientenkollektivs mit einem deutlichen Vorteil für nab-Paclitaxel im Vergleich zu lösungsmittelbasiertem Paclitaxel [5].
Im Hinblick auf diese wohlbekannte Problematik überzeugte nun die Nebenwirkungsanalyse der ADAPT TN-Studie (Tab. 1). Eine PNP (≥ Grad 3) von unter einem Prozent (0,7 % nab-Paclitaxel+Carboplatin bzw. 0,6 % nab-Paclitaxel+Gemcitabin) erweist sich als überzeugend und ist im direkten Vergleich zu den Daten aus der GeparSepto-Studie auch deutlich besser.
Es kann angenommen werden, dass dieses günstigere Nebenwirkungsprofil auf einer deutlichen Dosisreduktion im Vergleich zu GeparSepto basiert (hier nur 8 Gaben, 125 mg/m² nab-Paclitaxel). Es stellte sich somit die Frage nach einem Wirksamkeitsverlust bei einer Dosisreduktion von nab-Paclitaxel. Dies konnte durch eine erweiterte Analyse der GeparSepto-Daten geklärt werden [3].
„Trotz einer Dosisreduktion verliert die Substanz nab-Paclitaxel nicht an Wirksamkeit. Die Rate an peripheren Neuropathien konnte durch eine Dosisreduktion erheblich reduziert werden und ist vergleichbar mit der PNP-Rate bei lösungsmittelbasiertem Paclitaxel.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Dieses Jahr wurden die Ergebnisse der Dosisreduktion von 150 mg/m² auf 125 mg/m² nab-Paclitaxel in der GeparSepto-Studie präsentiert. Die Daten zeigen, dass die PNP-Rate bei 125 mg/m² niedriger ist (125 mg/m² vs. 150 mg/m²: Grad 3–4 = 8,1 % vs. 14,5 %) und die Patienten sich schneller erholen. Es konnte somit eine Konsolidierung der Ergebnisse aus dem letzten Jahr gezeigt werden (Abb. 2). Daten zur PNP-Reduktion zeigten, dass sich die PNP bei Patienten in dem 125 mg/m² nab-Paclitaxel-Arm (im Vergleich zu 150 mg/m²) schneller erholten.
Diskussion der Ergebnisse
Bedauerlicherweise liegen sowohl für die ADAPT TN-Studie als auch für die GeparSepto-Studie noch keine Daten zum Erkrankungsfreien Überleben (DFS) bzw. zum Gesamtüberleben (OS) vor. Die Relevanz der pCR und deren Übersetzung in eine erhöhte Heilungsrate ist also noch unklar, die DFS- und OS-Daten werden mit Spannung erwartet.
nab-Paclitaxel in einer niedrigen Dosierung (8 Gaben zu je 125 mg/m² über 12 Wochen) in Kombination mit Carboplatin (AUC2) stellt in der neoadjuvanten Therapie des TNBC eine gute Option dar. Ein Unterschied in den pCR-Raten von 17,2 % zugunsten von nab-Paclitaxel+Carboplatin im Vergleich zu nab-Paclitaxel+Gemcitabin zeigt den deutlichen Vorteil dieser Therapieoption.
Carboplatin Ja oder Nein?
Im Hinblick auf die Relevanz einer Carboplatin-haltigen Therapie beim TNBC sind zwei weitere Präsentationen vom diesjährigen SABCS zu diskutieren. Zum einen die Phase-II-Subgruppenanalyse der GeparSixto-Studie [6] (hier im Speziellen die Rolle des BRCA-Status) und zum anderen die CALGB-40603 (Alliance)-Studie [7] (beide Studien beinhalteten mit Bevacizumab auch einen Angiogenesehemmer). Ein direkter Vergleich der beiden Studien ist wegen des unterschiedlichen Studiendesigns nur schwer möglich, allerdings lässt sich folgendes herausarbeiten: Der BRCA-Status scheint nicht zwingend einen Einfluss auf die Indikation zur Carboplatin-haltigen Therapie zu haben. Zwar zeigte sich ein relevanter pCR-Effekt bei der Carboplatin Therapie beim TNBC, allerdings nimmt der relative Effekt bei BRCA-positiven Patienten ab [6]. Der Effekt der Carboplatintherapie scheint also bei BRCA-Wildtyp-Patienten ausgeprägter zu sein, wenngleich das BRCA-mutierte Kollektiv insgesamt ein besseres Ansprechen zeigte. Die Therapie in der GeparSixto-Studie beinhaltete nicht-pegyliert liposomal verkapseltes Doxorubicin, lösungsmittelbasiertes Paclitaxel, Carboplatin und Bevacizumab. Auch hier sind noch keine DFS-/OS-Daten verfügbar. Die Frage nach der Übersetzung dieser pCR-Ergebnisse in eine Überlebensrate ist also noch nicht beantwortet.
Eine mögliche Antwort gibt allerdings die Analyse der CALGB-40603-Studie. Die Übersetzung der pCR-Rate in ein DFS/OS bei einer Carboplatin-haltigen Therapie des TNBC war hier ernüchternd. Zwar zeigte auch diese Studie initial einen signifikanten pCR-Unterschied bei der Hinzunahme von Carboplatin beim TNBC, allerdings ließ sich diese pCR-Differenz nicht in einen signifikanten DFS-/OS-Benefit übersetzen, wobei die Studie für eine diesbezügliche Auswertung nicht gepowert war.
Die Hinzunahme von Carboplatin bei der Therapie des TNBC bleibt also zunächst eine individuelle Entscheidung.
Fazit
„Diese Daten bestätigen, dass beim triple-negativen Mammakarzinom, unabhängig vom BRCA-Status, eine Hinzunahme von Carboplatin in Zukunft Standard werden kann. Dabei geht es in Zukunft darum, die geeigneten Patienten noch besser für diese insgesamt toxischere Systemtherapie zu identifizieren. Durch ein optimiertes Management der nab-Paclitaxel-Gabe wird es gelingen, die periphere Neuropathie deutlich besser zu beherrschen, ohne an Effektivität zu verlieren.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Direkter Vergleich T-DM1 vs. T-DM1 + endokrine Therapie (ET) vs. Trastuzumab + ET
Die Rationale hinter dieser ebenfalls im WSG ADAPT-Studienkonzept vertretenen Analyse [8] ist wie folgt: Die Standardtherapie für HR (Östrogen- oder Progesteronrezeptor)-positive Her2/neu-positive Mammakarzinome ist die Chemotherapie in Kombination mit einer Her2/neu-zielgerichteten Therapie, unabhängig vom Hormonrezeptorstatus. Diese triple-positiven Karzinome sind als eigene Entität zu betrachten. Die Literatur zeigt, dass eine alleinige Her2/neu-zielgerichtete Therapie in Kombination mit einer endokrinen Therapie (ET) sinnvoll sein könnte [9].
Bei der ADAPT (HR pos, Her2/neu pos) wurde eine T-DM1-Monotherapie (3,6 mg/kg alle 3 Wochen – Therapiedauer 12 Wochen) mit T-DM1+ET und mit Trastuzumab+ET für 12 Wochen in der Neoadjuvanz verglichen. Eingeschlossen wurden HR-positive, Her2/neu-positive Mammakarzinom-Patienten (Bestätigung durch zentrale Pathologie), die Kandidaten für eine neoadjuvante Chemotherapie waren (cT1c–cT4c, alle cN, M0, chemotherapiefähig). Die Anzahl der Patienten betrug n = 375, ungefähr gleiche Verteilung in den T-DM1- (n = 119), T-DM1+ET- (n = 127) und Trastuzumab+ET- (n = 129) -Armen. Die Zusammensetzung des Patientenkollektivs war wie folgt: medianes Ki-67 von etwa 40 %, mehr als 50 % der Patienten hatten cT1-Tumoren in allen drei Gruppen. Das mediane Alter betrug etwa 50 Jahre. Über 70 % der Patienten in allen Armen waren cN0.
Signifikant höhere pCR-Raten für T-DM1
Diese Phase-II-Studie arbeitete zwei sehr interessante Punkte heraus. Zum einen, und dies ist wohl das erfreulichste Ergebnis, zeigt sich eine extrem hohe Wirksamkeit beim Erreichen einer pCR in beiden T-DM1-Armen (Abb. 3).
Zum anderen machten die Ergebnisse deutlich, dass die Hinzunahme einer antihormonellen Therapie keinen weiteren signifikanten Vorteil bewirkt. Die direkten Vergleiche der T-DM1-haltigen Therapiearme zum Trastuzumab+ET-Arm zeigten einen signifikanten Unterschied der pCR-Raten.
„Die Ergebnisse der zweiten vorgestellten ADAPT-Studie zeigten überraschenderweise, dass die T-DM1-Monotherapie der Kombinationstherapie (Trastuzumab + ET) beim triple-positiven Mammakarzinom überlegen ist.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Diskussion
Die hier gezeigten Daten zeigen einen deutlichen pCR-Vorteil einer T-DM1-Monotherapie beim triple-positiven Mammakarzinom. Eine zusätzliche endokrine Therapie scheint nicht notwendig zu sein, da sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden T-DM1-Armen zeigte. Zusätzlich zu dem erheblichen pCR-Delta von 25,9 %, im Vergleich zu Trastuzumab+ET stellt T-DM1 eine relativ nebenwirkungsarme Alternative zur Chemotherapie dar, was sicherlich in Zukunft eine zunehmende Aufmerksamkeit in der Neoadjuvanz erfahren wird.
Ein wünschenswerter Vergleich wäre an dieser Stelle die duale Blockade mit Trastuzumab und Pertuzumab in einer prospektiven Head-to-Head-Analyse mit T-DM1, um diese Analyse mit dem aktuell optimalen Therapiestandard zu vergleichen.
Fazit
„Die Therapie mit T-DM1 beim triple-positiven Mammakarzinom im neoadjuvanten Ansatz könnte sich als Standard etablieren, da die Kombinationstherapie keinen Vorteil zu zeigen scheint.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Erwähnenswerte neue Entwicklungen sind beispielsweise „programmed cell death“ (PD-1)-Inhibitoren, die in Form von monoklonalen Antikörpern das Immunsystem aktivieren, um eine Tumorzelle zu attackieren (z. B. Nivolumab und Pembrolizumab). PD-1 hat wiederum zwei Liganden (PD-L1 und PD-L2). Eine weitere Substanzklasse sind somit die sogenannten „programmed cell death ligand 1” (PD-L1)-Inhibitoren (z. B. Avelumab und Atezolizumab). Der Wirkmechanismus ist auch hier eine T-Zell-Aktivierung.
Weitaus geläufiger sind bereits die Therapien mit CDK4/6-Inhibitoren (z. B. Palbociclib, Ribociclib und Abemaciclib) sowie die Phosphatidylinositol-3-kinase (PI3K)-Inhibitoren (z. B. Taselisib und Buparlesib).
Daten zu einer Vielzahl dieser Wirkstoffe standen dieses Jahr in Phase-I–III-Studien zur Verfügung. Eine grundlegende Veränderung in unserem Therapieverhalten begründen die Daten allerdings, und dies sei betont, noch nicht.
Avelumab, ein anti-PD-L1-Antikörper – Therapieansprechen von 8,6 % beim triple-negativen metastasierten Mammakarzinom (MBC)
Vorläufige Ergebnisse einer Phase-Ib-Studie mit dem anti-PD-L1-Antikörper Avelumab [10] bei MBC-Patienten mit mindestens drei vorgeschalteten zytotoxischen Therapiezyklen wurden präsentiert und diskutiert. Es handelt sich hier um eine sehr frühe Evaluation dieses Wirkstoffs mit 168 Patienten. Das höchste Ansprechen konnte in der Subgruppe der TNBC (n = 58) gezeigt werden. Hier ergab sich ein partielles Ansprechen (PR) bei nur 8,6 % der Fälle (n = 5).
Der Therapieansatz mit Avelumab ist hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils durchaus akzeptabel. Allerdings zeigte sich bei diesem nicht vorselektionierten Patientenkollektiv nur ein sehr geringes Ansprechen. In Zukunft wird hier zunächst die PD-L1-Expression getestet werden müssen, um die Therapiepopulation zu spezifizieren.
nab-Paclitaxel als potentieller Partner bei einer immunmodulatorischen Therapie
Wie bereits erwähnt ist die immunmodulatorische Therapie in Kombination mit Chemotherapie ein interessantes und relevantes Thema. Insbesondere nab-Paclitaxel eignet sich in dieser Kombination. Der Verzicht auf eine immunsuppressive Therapie mit Kortikosteroiden bei diesem lösungsmittelunabhängigen Taxan macht nab-Paclitaxel unter Umständen zu einem geeigneten Partner bei einer immunmodulatorischen Therapie. Aktuell laufen dazu mehrere Studien im MBC-Setting, die sowohl Nivolumab (Checkpoint Inhibitor/Anti PD-1) [11] als auch Atezolizumab (PD-L1-Inhibitor) [12] evaluieren. Letzterer zeigte z. B. eine Ansprechrate in einer vorselektionierten Gruppe von Patienten mit triple-negativem MBC von knapp 89 % (n = 9).
Insgesamt ist die Datenlage auch hier noch ohne Einfluss auf die praktische Arbeit. Das Konzept der Immunmodulation in Kombination mit einer Monochemotherapie (insb. nab-Paclitaxel) im MBC-Setting sollte allerdings nicht aus den Augen verloren werden.
„Das metastasierte Mammakarzinom bleibt für uns eine große Herausforderung. Die neuen immuntherapeutischen Möglichkeiten sind vielversprechend, obwohl die Datengrundlage noch etwas schmal ist. nab-Paclitaxel scheint für diese Substanzgruppe ein optimaler Partner zu sein.“ Prof. Dr. med. M. Warm
Complete Cell Cycle Arrest mit Palbociclib – eine erfolgversprechende Phase-II-Studie
Eine weitere erfolgversprechende Innovation erreichte uns mit dem CDK4/6-Inhibitor-Palbociclib [13]. In einer einarmigen Studie wurde ein Patientenkollektiv mit einem Stadium-II- oder -III-Mammakarzinom rekrutiert (HR positiv, Her2/neu negativ). Es folgte die neoadjuvante Gabe von Palbociclib in Kombination mit Anastrozol. Mit einer Patientenzahl von n = 46 ist auch diese Studie eher klein, allerdings zeigte sich in diesem neoadjuvanten, nicht metastasierten Setting immerhin eine Gesamtansprechrate von 67 % (kompletter Stillstand des Zellzyklus). Auch dies ist ein interessantes und vielversprechendes Ergebnis. Allerdings begründet das Studiendesign und die geringe Fallzahl noch keine Änderung in unserem Therapieverhalten.
BELLE-2-Studie – Buparlisib erhöht das progressionsfreie Überleben (PFS) statistisch signifikant
Obgleich diese Aussage korrekt ist, müssen auch diese Daten kritisch betrachtet werden. Die BELLE-2-Studie [14] evaluierte 1.147 postmenopausale und antihormonell vorbehandelte Patienten, die eine endokrine Resistenz entwickelt hatten (HR pos, Her2/neu neg). Die Patienten wurden in die Arme Fulvestrant+Placebo und Fulvestrant+Buparlisib randomisiert. Es zeigte sich eine statistisch signifikante DFS-Differenz von 1,9 Monaten (Abb. 4). Der primäre Endpunkt der Studie war somit erreicht.
Es bleibt anzumerken, dass diese Differenz zum einen klein ist und zum anderen mit einem erheblichen Nebenwirkungsprofil verbunden ist. Insbesondere ein Transaminasenanstieg und Depressionen gehörten zum Nebenwirkungsspektrum des Kombinationsarms und stehen mit 26,2 % (Depression – Buparlisib+Fulvestrant) dem Placeboarm mit 8,9 % gegenüber.
Fazit
„Der Einsatz der immunmodulatorischen Wirkstoffe kann in Zukunft bei der Therapie des Mammakarzinoms zum Standard werden. Weitere Studien müssen dazu führen, Patientengruppen besser zu selektieren und Nebenwirkungen zu optimieren.“ Prof. Dr. med. M. Warm