Ovarialkarzinom
CHRONO und TRUST (OC): neue Daten zum OP-Timing beim Ovarialkarzinom
Beschreibung
Aktuelle Daten zur optimalen Sequenz von neoadjuvanter Chemotherapie und vollständiger Operation beim fortgeschrittenen epithelialen Ovarialkarzinom stammen aus der randomisierten multizentrischen Phase-II-Studie CHRONO (NCT03579394) [3]. Untersucht wurde, ob nach 3 Zyklen neoadjuvanter Chemotherapie (NACT) unmittelbar operiert werden sollte oder ob 3 weitere Zyklen bis zur Intervalloperation einen Vorteil bieten. Eingeschlossen wurden 209 Patientinnen mit FIGO-Stadium IIIB bis IVA (FIGO = Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique), die nach 3 Zyklen NACT als komplett resektabel galten. Randomisiert wurden sie zu einer Operation nach 3 NACT-Zyklen mit anschließend 5 weiteren Chemotherapiezyklen versus 3 zusätzlichen NACT-Zyklen vor der Operation und anschließend 2 weiteren Zyklen. Der primäre Endpunkt war das krankheitsfreie Überleben (DFS). Nach einem medianen Follow-up von 40,4 Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied: Das mediane DFS lag bei 20,2 Monaten im Kontrollarm und bei 23,4 Monaten im experimentellen Arm (HR: 0,88; 95-%-KI: 0,63–1,24; p = 0,48) (Abb. 3). Auch die Rate des pathologischen Komplettansprechens unterschied sich nicht relevant (83,2% vs. 90%). Damit unterstreichen diese Daten, dass eine Verzögerung der OP um weitere 3 NACT-Zyklen keinen klaren klinischen Vorteil bietet.
Abb. 3: DFS bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom in der CHRONO-Studie: Vergleich von 3 versus 6 Zyklen NACT vor der OP (modifiziert nach [3])
Ergänzend einzuordnen sind neue Auswertungen der internationalen randomisierten Phase-III-Studie TRUST (ENGOT ov33/AGO-OVAR OP7; NCT02828618), die eine primäre zytoreduktive Chirurgie und nachfolgende Chemotherapie mit 3 Zyklen neoadjuvanter Chemotherapie und anschließender Intervalloperation sowie weiteren 3 Chemotherapiezyklen vergleicht [4]. In die Studie wurden 796 Patientinnen mit als resektabel eingeschätztem FIGO-Stadium IIIB/C bis IVA/B eingeschlossen. Der primäre Endpunkt OS wurde in der Hauptanalyse nicht signifikant verbessert (Median: 54,3 vs. 48,3 Monate; HR: 0,89; p = 0,24), jedoch zeigte sich ein signifikanter Vorteil im PFS zugunsten der primären Operation (22,1 vs. 19,7 Monate; HR: 0,80; p = 0,018). Ergänzende, hypothesengenerierende Subgruppenanalysen vom diesjährigen ASCO-Kongress deuten darauf hin, dass sich bei Ausschluss von Patientinnen mit Pleuraerguss die Überlebenskurven nicht mehr kreuzten, was für diese Gruppe eher für ein neoadjuvantes Vorgehen sprechen könnte [5]. Zudem schnitten Patientinnen mit kompletter Tumorfreiheit nach primärer Operation prognostisch günstiger ab als Patientinnen mit kompletter Tumorfreiheit nach der Intervalloperation. Insgesamt unterstreichen die Daten die Bedeutung einer sorgfältigen Patientinnenselektion: Die primäre Zytoreduktion bleibt bei resektablen, operablen Patientinnen ein relevantes Ziel, während bei Stadium IV oder Pleuraerguss die neoadjuvante Strategie besonders sinnvoll erscheint.
„Die beste Option bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ist unter geeigneten Voraussetzungen die primäre Operation; eine Intervalloperation nach neoadjuvanter Chemotherapie bleibt jedoch insbesondere bei Stadium IV und bei Pleuraerguss eine wichtige und sinnvolle Strategie.“ Prof. Dr. Lars Hanker