
Kolorektales Karzinom
CIRCULATE (CRC): ctDNA optimiert Therapieentscheidungen
Beschreibung
Auf dem ASCO-Kongress 2026 wurden aktuelle Daten zur klinischen Relevanz der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) bei der Entscheidung für eine adjuvante Therapie beim Kolonkarzinom im Stadium II vorgestellt. Im Fokus stand die deutsche Phase-III-Studie CIRCULATE (NCT04089631), in der ein ctDNA-gesteuertes Therapiekonzept prospektiv untersucht wurde [1]. ctDNA-positive Patienten wurden im Verhältnis 2 : 1 zwischen adjuvanter Chemotherapie und Beobachtung randomisiert, während ctDNA-negative Betroffene überwiegend in die Nachbeobachtung überführt wurden. Von mehr als 2.100 gescreenten Personen wurden 1.396 randomisiert; lediglich 2,9% waren ctDNA-positiv. Im Per-Protocol-Kollektiv zeigte sich ein deutlicher Vorteil der Chemotherapie mit einer 3-Jahres-Rückfallfreiheit von 77 % gegenüber 38 % ohne Behandlung (Abb. 1). Unabhängig davon waren nach 3 Jahren 87 % der ctDNA-negativen, aber nur 52 % der ctDNA-positiven Patienten rezidivfrei. Die niedrige ctDNA-Positivitätsrate wird auf die begrenzte Sensitivität des eingesetzten tumorinformierten Assays zurückgeführt.
Abb. 1: Krankheitsfreies Überleben (DFS) „as treated“ von CRC-Patienten im Stadium II unter einer adjuvanten Therapie nach ctDNA-basierter Therapieentscheidung (modifiziert nach [1])
Ergänzend liefern Daten aus dem CIRCULATE-Japan/GALAXY-Programm Hinweise auf die Bedeutung serieller ctDNA-Messungen [2]. Insbesondere bei initial ctDNA-positiven Patienten mit abnehmender, jedoch persistierender ctDNA könnte eine Fortführung der adjuvanten Therapie sinnvoll sein. Dagegen zeigte sich bei dauerhaft negativen oder persistierend positiven Verläufen kein zusätzlicher Nutzen durch eine Therapieverlängerung. Insgesamt unterstreichen diese Ergebnisse das Potenzial der ctDNA-basierten Dynamik zur individualisierten Therapiesteuerung, erfordern jedoch weiterhin eine prospektive Validierung.
„Eine ctDNA-Messung ist im Moment wahrscheinlich bei CRC-Patienten im Stadium II am interessantesten, um bei einer ctDNA-Positivität eine Systemtherapie einzuleiten.“ Prof. Dr. Ralf-Dieter Hofheinz