
EHA 2026 - Nachbau cc aus Liveportal • Multiples Myelom
inMMyCAR (RRMM): KLN-1010 generiert wirksame CAR-T-Zellen
Beschreibung
Auf dem diesjährigen EHA-Kongress wurde das In-vivo-CAR-T-Konzept (CAR = chimärer Antigenrezeptor) mit KLN-1010 als potenziell richtungsweisender Ansatz zur Behandlung des rezidivierten/refraktären multiplen Myeloms (RRMM) vorgestellt. KLN-1010 wird in der laufenden Phase-I-Studie inMMyCAR (NCT07075185) untersucht. Es handelt sich um eine neuartige, Off-the-Shelf-CAR-T-Zell-Therapie gegen BCMA (B-Zell-Reifungsantigen), bei der ein modifizierter lentiviraler Vektor intravenös appliziert wird und die CAR-T-Zell-Generierung direkt im Patienten erfolgt. Dadurch entfallen Apherese, Ex-vivo-Herstellung und nach aktuellem Konzept auch eine Lymphodepletion. Dieser Ansatz ist insbesondere im Hinblick auf eine raschere Verfügbarkeit, eine vereinfachte Logistik und einen potenziell breiteren Zugang zur CAR-T-Zell-Therapie hervorzuheben.
Berichtet wurden aktualisierte Interimsdaten von 18 behandelten Patienten mit stark vorbehandeltem RRMM [1]. Die Studie schloss Erkrankte mit mindestens 3 Vortherapielinien ein; die bislang präsentierten Kohorten umfassten überwiegend Triple-Class-exponierte bzw. -refraktäre Patienten. In den präsentierten Daten wurde eine Gesamtansprechrate (ORR) von 100% beschrieben. Unter den 18 Behandelten wurden 9 partielle Remissionen, 4 sehr gute partielle Remissionen, 1 komplette Remission (CR) und 4 stringente CRs berichtet (Abb. 1). Zudem zeigten alle auswertbaren Patienten nach einem Monat eine MRD-Negativität (MRD = minimale Resterkrankung) im Knochenmark; bei den Patienten mit mindestens 4 Monaten Nachbeobachtung vertiefte sich das Ansprechen im Verlauf weiter. Außerdem hervorzuheben ist, dass auch Hochrisikokonstellationen in der Studie vertreten sind, darunter ein hoher Anteil mit Hochrisikozytogenetik und Fälle mit extramedullärer Erkrankung.
Auch die Verträglichkeit ist als günstig einzuordnen: In den aktualisierten Studiendaten traten Zytokinfreisetzungssyndrome überwiegend verzögert und ausschließlich in Grad 1–2 auf; zusätzlich wurden einzelne ICANS-Ereignisse (ICANS = Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrom) beschrieben, darunter ein Grad-3-Ereignis von kurzer Dauer. Eine verzögerte Neurotoxizität wurde bislang nicht beobachtet. Dies ist als besonders relevant zu bewerten, da sich daraus perspektivisch auch eine ambulante Anwendbarkeit ableiten könnte.
Abb. 1: Ausgewählte Ergebnisse zur Wirksamkeit von KLN-1010 bei Patienten mit RRMM in der inMMyCAR-Studie (modifiziert nach [1])
„Bei KLN-1010 handelt es sich bislang um frühe Phase-I-Daten mit kleiner Patientenzahl und kurzer Nachbeobachtung. Dennoch erscheint der Ansatz als sehr vielversprechender Proof of Concept mit dem Potenzial, Herstellung und Verfügbarkeit von CAR-T-Zell-Therapien grundlegend zu verändern. Die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit müssen jedoch in größeren Studien noch bestätigt werden.“ Dr. Dr. Stephan Bohl