
Ovarialkarzinom
MIROVA (OC): Mirvetuximab-Soravtansin-Kombination ohne PFS-Vorteil
Beschreibung
Des Weiteren wurden aktuelle Daten zur Rolle von Mirvetuximab-Soravtansin beim platinsensitiven Rezidiv des Ovarialkarzinoms aus der randomisierte Phase-II-Studie MIROVA (NCT04274426) auf dem diesjährigen ASCO-Kongress präsentiert [6]. Diese Studie untersucht Patientinnen mit rezidiviertem epithelialem Ovarial-, Tuben- oder Peritonealkarzinom und hoher Folatrezeptor-alpha(FRα-)-Expression. Eingeschlossen wurden auch Patientinnen mit einem platinfreien Intervall von mehr als 3 Monaten, sodass nicht ausschließlich klassisch platinsensitive Verläufe im engeren Sinne erfasst wurden. Randomisiert wurde zwischen einer platinhaltigen Standardchemotherapie und einer experimentellen Kombination aus Carboplatin plus Mirvetuximab-Soravtansin; im Prüfarm wurde Mirvetuximab-Soravtansin anschließend als Erhaltungstherapie fortgeführt. Für MIROVA ist ein offenes, multizentrisches, randomisiertes Phase-II-Design mit geplanter Rekrutierung von 136 Patientinnen beschrieben.
Primärer Endpunkt war das PFS. Die vorliegenden Daten fielen insgesamt negativ aus: Trotz hoher Ansprechraten von etwa 60% im Prüfarm gegenüber rund 30% im Chemotherapiearm ergab sich kein Vorteil im PFS (Abb. 4). Zudem zeigte sich eine relevante Toxizität der Kombination mit Mirvetuximab-Soravtansin. Besonders zu berücksichtigen sind Polyneuropathien sowie die für Mirvetuximab-Soravtansin typischen okulären Nebenwirkungen. Für Mirvetuximab sind vor allem verschwommenes Sehen, Keratopathie und trockene Augen beschrieben; in gepoolten Sicherheitsanalysen traten okuläre Nebenwirkungen häufig, überwiegend jedoch in niedrigen Graden auf. Auch die globalen Lebensqualitätsdaten zeigten keinen überzeugenden Vorteil, und die neuropathiebezogene Lebensqualität fiel im Prüfarm eher ungünstiger aus.
Abb. 4: PFS unter Mirvetuximab-Soravtansin + Carboplatin bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom (modifiziert nach [6])
Zur Einordnung dieser Ergebnisse kann die Phase-III-Studie MIRASOL (NCT04209855) herangezogen werden, in der Mirvetuximab-Soravtansin bei FRα-positivem, platinresistentem Ovarialkarzinom gegenüber einer Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes geprüft wurde. In dieser randomisierten, offenen Phase-III-Studie mit 453 Patientinnen war Mirvetuximab-Soravtansin hinsichtlich des PFS, der objektiven Ansprechrate und des OS überlegen; in der finalen Analyse betrug das mediane PFS 5,59 versus 3,98 Monate, das mediane OS 16,85 versus 13,34 Monate. Ergänzend ist die laufende Phase-III-Studie GLORIOSA (NCT05445778) relevant, die Mirvetuximab-Soravtansin plus Bevacizumab versus Bevacizumab allein als Erhaltungstherapie bei FRα-hohem, platinsensitivem Rezidiv nach platinhaltiger Zweitlinientherapie untersucht. Für GLORIOSA ist ein randomisiertes, multizentrisches, offenes Phase-III-Design mit 520 Patientinnen registriert.
„Man muss also sagen, dass sich trotz hoher Ansprechraten insgesamt kein verbessertes PFS ergab. Es sind zudem deutliche Nebenwirkungen vorhanden, auch wenn diese, wie es im Englischen heißt, manageable sind.“ Prof. Dr. Lars Hanker